Seelenruhestörung

Ganz ungebeten tratest Du
in mein schlafendes Sein
und drängtest Dich unerwartet
in das Erwachen hinein.

Du brachtest mich kurz zurück
auf den Trampelpfad unserer Seelen,
für ein nächtliches Wiedersehen,
hinein in ein tagsanftes Quälen.

Doch ist der Schmerz heute nicht,
was er gestern noch war.
Sehe ich doch so vieles jetzt
uneingeschränkt und klar.

So lass mich bitte endlich los,
bitte lass mich gehen.
Irgendwann wirst Du begreifen,
wirst auch Du es verstehen.

Suche mich bitte nicht mehr auf,
in meinem nächtlichen Frieden.
Ich brauche keine Erinnerungen,
um Dich für immer zu lieben.

17. Juni 2021

© Antje Münch-Lieblang

Zombie

Bizarr und verzerrt. Du nicht ganz du, ich nicht ganz ich.
Ich nenne dich bei deinem Vornamen, ich tue es einfach. Ich finde, nach zwanzig Jahren in denen ich dir schmerzhaft meine uneingeschränkte Liebe geschenkt habe, steht mir das zu. Es spielt keine Rolle, dass du zehn Jahre davon bereits unter der Erde liegst. Ich liege mit dir dort. Als die ersten Erdklumpen auf deinen Sargdeckel prasselten, legte sich mein Inneres neben dein Äußeres. Und während meine Seele neben deinen verrotteten Knochen liegt, bewegt sich mein seelenloser Körper amoklaufend durch die Leben anderer.
Letzte Nacht fügten sich unsere Körper und unsere Seelen wieder zusammen – es war schön dich zu sehen. Ich spüre noch deine Haut, deine feuchtwarmen Haare, meine Hand auf deiner schweißnassen Stirn. Du warst betrunken und hattest diesen roten Pullover an. Du sagtest, ich würde versuchen, schöne Dinge zu sagen, aber es gelänge mir nicht.

Sag mir lieber, wie ich überlebe, während sich mal wieder schmerzliches Vermissen am Erwachen nährt.