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Siebzehn Jahre, mein Gott.
Siebzehn Jahre waren einmal mein halbes Leben.
Eine Ewigkeit.

Eine Ewigkeit, die Du nicht mehr in Deinem Leben bist, aber unverrückbar immer noch in meinem. Meine Liebe klebt an der Erinnerung an Dich, wie ein Kaugummi auf dem Asphalt. Das kriegt man nicht mehr los. Wenn es da schon siebzehn Jahre klebt, klebt es da auch noch in hundert. Es sei denn, die ganze Straße verschwindet. Ich schätze, anders wird es mit der Liebe zu Dir auch nicht sein. Sie verschwindet dann, wenn ich verschwinde.

Es ist viel passiert in diesen siebzehn Jahren. Ich bin jetzt verheiratet. Du würdest sie mögen, da bin ich mir sicher. Sie, die ich erst ablehnte, aus Angst, ich könne sie verletzen. Sie fand ihren Weg in mein Herz und in meine Arme. Ich verletzte sie, wenn auch erst Jahre später und anders, als befürchtet. Ich verletzte uns beide, mit mir selbst. Unsere Liebe trägt es. Die Liebe zu Dir dagegen bohrt in regelmäßigen Abständen in den unverheilten Wunden und lacht. Hergeben möchte ich sie trotzdem nicht, denn sie ist neben dem Taschentuch alles, was ich von Dir besitze.

Dein Taschentuch, welches Du mir gabst, um meine Tränen trocknen zu können. Die Tränen, die ich weinte, weil ich den Moment nicht fassen konnte. Mittlerweile ist es nicht mehr im Kleiderschrank zwischen meiner Wäsche. Nicht mehr der selbe Ort, nicht mehr der selbe Kleiderschrank, nicht mehr die selbe Wäsche, nicht mehr das selbe Leben. Ich bewahre es in einer Kiste im Keller mit den reduzierten Zeugnissen unserer Vergangenheit.

Meine Seele kannte das Datum des heutigen Tages und brachte mir am Morgen unsere letzte Begegnung in den Sinn. Ich dagegen erfuhrt das Datum erst um die Mittagszeit, nach Erledigung der Hausordnung und dem Unterzeichnen des Reinigungsplanes.

Der letzte Blick in Deine Augen.
Die letze Berührung.
Deine Hand auf meinem Arm.
Abschied.
Für immer.

Damals hinter der Theaterbühne.

3 – 1 = 0

Manchmal schweigt die Kreativität. Sie hat einfach nichts zu sagen. Möglicherweise ist sie auch sprachlos. Und das wäre nur allzu verständlich, denn ich bin es auch. Dabei haben wir uns so unglaublich viel zu sagen, die Kreativität und ich. Stattdessen schweigen wir uns aus. Oder auch an.

Die Kreativität schweigt allerdings nicht immer. Alternativ meldet sie sich in den unpassendsten Momenten – zum Beispiel kurz bevor ich zur Arbeit muss oder wenn ich bei der Arbeit bin. Oder am Abend, wenn ich müde bin. Oder Unterwegs, wenn ich unterwegs bin. Oder oder oder. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele arme Kreativitäten an dem Zustand zu Grunde gehen, den wir so leichtfertig als Leben bezeichnen.

Dieser Zustand hat uns ein wenig entfremdet, die Kreativität und mich, und führt seit geraumer Zeit dazu, dass er hier zu nicht viel mehr führt, als zu einem schwachen Lebenszeichen dann und wann. Ich bin noch da – irgendwie. Und auch die Kreativität ist noch da – irgendwo. Nur den wilden Affen haben wir beide schon lange nicht mehr gesehen. Möglicherweise hat er sich selbst ausgewildert und lässt es krachen. Hätte ich an seiner Stelle auch getan, bei der lahmen Gesellschaft hier. Scheidungskind, quasi.

Gesucht haben wir ihn schon, aber nicht gefunden. Er hat seine Spuren gut verwischt. Ein wenig Zeit werden wir dem abtrünnigen Gesellen noch geben, bevor wir seine Stelle neu ausschreiben. Denn so sehr er auch manchmal genervt hat, so sehr fehlt er. Aller guten Dinge sind eben nunmal drei.

Geduld heißt also weiterhin das Zauberwort.
Geduld und ein Bund Bananen.