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Seelenruhestörung

Ganz ungebeten tratest Du
in mein schlafendes Sein
und drängtest Dich unerwartet
in das Erwachen hinein.

Du brachtest mich kurz zurück
auf den Trampelpfad unserer Seelen,
für ein nächtliches Wiedersehen,
hinein in ein tagsanftes Quälen.

Doch ist der Schmerz heute nicht,
was er gestern noch war.
Sehe ich doch so vieles jetzt
uneingeschränkt und klar.

So lass mich bitte endlich los,
bitte lass mich gehen.
Irgendwann wirst Du begreifen,
wirst auch Du es verstehen.

Suche mich bitte nicht mehr auf,
in meinem nächtlichen Frieden.
Ich brauche keine Erinnerungen,
um Dich für immer zu lieben.

17. Juni 2021 // © Antje Münch-Lieblang

Aufbruch

I.

Verstecken,
verschwinden,
sich quälen
und winden.

Verletzen,
verbinden,
sich suchen
und finden.

II.

Manchmal muss man sein Innerstes aufbrechen,
wie eine verdammt harte Nuss oder eine Tür,
zu der man keinen Schlüssel mehr hat.
Manchmal muss man Menschen verlieren,
um andere Menschen zu finden,
oder sich selbst.

Manchmal muss man sich ein Bein stellen
und hart zu Boden gehen, damit man merkt,
dass es Zeit für einen Richtungswechsel ist.
Manchmal muss man sich selbst das Herz brechen,
damit es die Chance hat, richtig zu heilen.

III.

Stillstand im Außen.
Aufbruch im Innen.
Raus aus dem Kopf,
sich wieder besinnen.

Bin unterwegs,
mit Bauch und mit Herz.
Dieses Mal gehe ich
seelenwärts!

7. Juni 2021 // © Antje Münch-Lieblang

Wem gehört dieses Kaninchen in meinem Vorgarten? Und was ist eigentlich mit dem Mond los?

Fragen über Fragen. Glücklicherweise habe ich gerade ganz viel Zeit. Oder vielmehr, ich habe mir diese Zeit einfach genommen, weil sie mir nunmal gehört, meine Zeit.

Eine Zeit der Ruhe in einer Zeit des Sturmes.

Mein persönlicher Sturm ist glücklicherweise längst vorüber.
Für mich hat sich die peitschende und lebensbedrohliche See der letzten anderthalb Jahre zu einem friedvollen Stillgewässer geglättet. Das war ein unglaublicher Ritt, sage ich euch. Und selbst, wenn ich euch im Einzelnen davon erzählen wollen würde, ich könnte es mit Worten gar nicht annähernd wieder geben. Hatte ein bißchen was von Tod und Wiedergeburt. Phönix aus der Asche und so. Dieser ganze Scheiß eben. Mit dem Unterschied, dass es dieses Mal keine Jahre gedauert hat. Dieses Mal waren es nur wenige Monate Umweg auf dem Weg zu mir selbst. Irgendwann muss sich ja auch mal ein Fortschritt in der Entwicklung bemerkbar machen. Trotzdem habe ich mir danach erstmal an der Kopf gefasst und mich gefragt, wie oft ich mich denn noch in so eine Situation bringen muss, damit ich dauerhaft daraus lerne. Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich nur noch um eine kleine Auffrischung handelte und ich mit dem Thema jetzt ein für alle Mal durch bin.

Naja, jedenfalls ist bei mir jetzt erstmal volles Pfund Selbstfindungsmodus angesagt. Wurde nach über vierzig Jahren Irrungen und Wirrungen ja auch mal Zeit. Thema: Wer bin ich wirklich und wo geht meine Reise hin? Eine Ahnung davon habe ich zwar schon, aber irgendwie fehlt es dem Bild noch an der nötigen Schärfe, um eine klare Aussage machen zu können. Da müssen wir uns einfach noch ein wenig gedulden. Die grobe Reiseroute steht zumindest schon mal fest und das Fortbewegungsmittel auch. Manchmal fällt der Kopf dem Bauch noch ins Wort, aber das passiert zum Glück immer seltener. Es stellt sich nicht mehr die Frage ‚ob und wie‘, sondern nur noch die Frage ‚wann‘.

Wenn es darum geht, verknotete Lichterketten in Ordnung zu bringen, bin ich der geduldigste Mensch der Welt. Wenn es um mich und mein verknotetes Leben geht, eher nicht. Dann will ich alles am liebsten immer sofort. Wenn möglich, am besten schon gestern. Und so rutsche ich aufgeregt in meinem knallgelben Sessel hin und her – manchmal aus Respekt vor der ganzen Sache, manchmal vor lauter Ungeduld, weil ich es kaum noch erwarten kann, und manchmal auch einfach nur, weil mir der Arsch vom Sitzen wehtut. Nein, sonst habe ich tatsächlich gerade keine Probleme. Gönnt mir das ruhig mal!

Würde ich irgendwas anders machen, wenn ich die Gelegenheit hätte? Nein, das würde ich nicht. Vielleicht würde ich allenfalls in der Zeit zurück reisen, um mich selbst zu gegebenem Anlass in die Arme zu nehmen und mir zu sagen, dass ich keine Angst haben muss und alles gut werden wird, ganz egal, wie dunkel die Zeiten gerade erscheinen. Missen möchte ich diese dunklen Zeiten jedoch nicht, denn in diesen Phasen meines Lebens habe ich unfassbar viel gelernt, habe an Stärke und an Dankbarkeit gewonnen.

Das Leben ist momentan wirklich aufregend und unglaublich spannend, wenn man es schafft, zwischen den Zeilen des Weltgeschehens zu lesen, was nicht so einfach ist, das gebe ich zu. Auch ich habe eine Weile gebraucht, bis ich in der Lage war, meinen Blick zu fokussieren und aus der Angst herauszutreten. Alles ist im Umbruch, im Aufbruch, im Erwachen und in der Neuentstehung, und ich bin mittlerweile verdammt glücklich und mehr als dankbar, dass ich dabei sein darf. Ein paar holprige und chaotische Tage des Loslassens stehen uns noch bevor, um es mal nett auszudrücken, aber das gehört nunmal dazu – im Kleinen, wie im Großen. Eine Geburt ist eben kein Spaziergang, sondern schweißtreibend, schmerzhaft und blutig, um es den Tatsachen entsprechender auszudrücken.

Und bis es soweit ist, das Eine, wie das Andere, warte ich ab, trinke Tee, zur Zeit mit Vorliebe Kamillentee (natürlich nicht den fiesen Beuteltee), mache schöne Dinge, umgebe mich mit lieben Menschen und genieße vertrauensvoll, mit stetig wachsender Zuversicht, Aufregung und auch Verwunderung, das teils unterirdische und teils tiefgreifende „Unterhaltungsprogramm“, während ich parallel meine Träume nicht mehr nur träume, sondern sie auch endlich in die Hand nehme und an mein Herz drücke.

Quantentröpfchen für Quantentröpfen, bis zur großen Flut.