Aneurysma (6)

Jetzt sitze ich hier. Seit drei Tagen sitze ich hier. Ich kann kaum atmen, kaum denken, mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren. Ich sitze hier und warte auf ein Zeichen von Dir, ein klitzekleines virtuelles Zeichen von Dir, welches mir die Gewissheit liefert, dass ich mir das nicht alles eingebildet habe – die Art und die Intensität mit der Du mir in die Augen gesehen hast… wir uns in die Augen gesehen haben. Da war doch was und Du musst das ebenso gespürt haben. Du hast mit einem Blick meinen Verstand und mein Herz an Dich gerissen und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als mich wieder in Deinen Augen zu verlieren. Herrgott nochmal!

Haltlos (6)

Da ist mein Verstand erst
mit seinen ungeschickten Füßen
über Dein wunderschönes Lächeln gestolpert,
um dann, bei dem ersten Blick in Deine Augen,
völlig sein Gleichgewicht zu verlieren.
Und jetzt droht er, in der Erinnerung an Dich zu ertrinken,
während ich mich nicht entscheiden kann,
ob ich es zulasse oder versuche ihn zu retten.

15. September 2010

© Antje Münch-Lieblang

Ver-rückt (4)

Kakoschke lebt, leidet und liebt so vor sich hin. Letzteres gerade besonders. Kennt ihr das, wenn der Solarplexus sich so dermaßen zu Wort meldet, dass es einem die Sprache verschlägt, geschweige denn man einen klaren Gedanken fassen kann, weil einem vor lauter Schmerz die Luft weg bleibt? Dieses Sehnen, dieses Verlangen, dieses innere Feuer – daran möchte ich gerade elend zu Grunde gehen. Schon oft habe ich es gespürt… seit… – und dennoch konnte mich dieses Gefühl nie aus dem Gefängnis meiner Erinnerungen befreien. Dieses Mal könnte es anders sein und trotz aller Glücksseligkeit erfüllt mich dieser Gedanke mit Angst, weil ich nicht weiß, wo mich das hinführt. Diese Augen, dieses Lächeln, dieser Körper. Ich werde wahnsinnig. Und sie passt zu mir, als habe der liebe Gott sie eigens für mich erschaffen.